Ergebnisse aus den Experteninterviews

Insgesamt wurden 12 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin, Wissenschaft, Fahrradhandel, Verkehrswesen und aus der Kommunalverwaltung befragt.

Bedürfnisse der Schwangeren und jungen Eltern, an das Radfahren im Alltag sind nach Ansicht der interviewten Fachleute:

  • Sicherheit – Klare Kennzeichnungen sowie ausreichende Breiten der Radverkehrsanlagen, Straßenbeleuchtung, diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten (auch für Fahrradanhänger)
  • Komfort – Ebene Straßen ohne Schlaglöcher, gut ausgebaute Radwege
  • Verantwortung gegenüber dem Säugling – Das Baby soll in einer gesicherten Transportmöglichkeit mitfahren. Es soll vor Unfällen geschützt sein.
  • Stressreduktion – Das Radfahren soll sich einfach und unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Es sollte entspannt sein.
  • Informationen - Eltern sind interessiert, aber es fehlt an Informationen zum Thema Radfahren mit Baby und in der Schwangerschaft.

Die Hindernisse zum Radfahren sind nach Ansicht der interviewten Expertinnen und Experten:

  • Informationsmangel zum Thema Fahrradfahren in der Schwangerschaft bzw. mit Baby  – Interessierte haben es derzeit schwer geeignetes Informationsmaterial zu bekommen.
  • Witterung – Radwege sind gerade in den Wintermonaten oft nicht oder erst zeitlich versetzt von Schnee- und Eisglätte geräumt. Personen auf dem Fahrrad sind Hitze, Niederschlägen und Wind ausgesetzt.
  • Kostenfaktor – Ein neuer Kinderfahrradanhänger oder ein neues Lastenrad kosten mehrere hundert (etwa 120€ - 1400€) bzw. mehrere tausend (etwa 1000€ - 6000€) Euro.
  • Angst vor vorzeitigen Wehen – Frauen in der Schwangerschaft haben Angst, dass sie beim Radfahren vorzeitige Wehen bekommen. 
  • Angst vor Verkehrsunfällen – Radfahren an sich wird als unsicher empfunden bzw. als unsicherer als Autofahren. Wenn das Baby im Anhänger mitfährt, ist es hinter der Fahrerin/ dem Fahrer. Es fehlt die direkte Einflussmöglichkeit. Es kann bspw. nicht bzw. sehr spät reagiert werden, wenn ein Auto zu dicht an den Anhänger fährt.
  • Fehlender Blickkontakt zum Baby - Wenn das Baby im Anhänger mitfährt, ist der Blickkontakt erschwert und Eltern können sich während der Fahrt nicht vergewissern, ob es ihrem Kind gut geht.
  • Mobilität keine Priorität für junge Eltern – Werdende und junge Eltern beschäftigen sich nicht vorrangig mit dem Thema Mobilität. Gerade beim ersten Kind haben andere Themen Priorität.
  • Zusätzlich zu transportierende Utensilien für das Kind – Die Sachen für ein Baby benötigen viel Platz (Wickelsachen, Ersatzkleidung etc.). Dem Fahrrad wird die benötigte Transportkapazität nicht zugetraut.
  • Schlechte oder als unsicher empfundene Infrastruktur – Besonders im ländlichen Raum wird das Radnetz als zu schlecht ausgebaut empfunden. Auch das Fehlen sicherer Radabstellanlagen im öffentlichen Raum wird als Mangel wahrgenommen. Im städtischen Raum wird das hohe Verkehrsaufkommen des Kfz-Verkehrs als Gefahr empfunden.
  • Situation des Radverkehrs – Dem Radverkehr wird nur wenig Fläche im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln eingeräumt.
Schlafendes Baby im Lastenrad
nutzrad-studio.de

Stand: Juli 2016